Das Unternehmen Dr. Oetker

Die Dr. Oetker KG mit Sitz in Bielefeld ist einer der größten international tätigen deutschen Familienkonzerne. In der Öffentlichkeit tritt der Konzern unter dem Namen Oetker-Gruppe auf. Kerngeschäft von Dr. Oetker ist die Nahrungsmittelproduktion.

1891 ist Dr. Oetker aus der von August Oetker übernommenen Aschoff´schen Apotheke in Bielefeld/Ostwestfalen hervorgegangen. In dieser Apotheke entwickelte August Oetker das gebrauchsfertige Backpulver, was bekanntlich in der Folgezeit sehr erfolgreich vermarktet wurde. Der Erfolg begründete sich hauptsächlich auf die Tatsache, dass August Oetker das Backpulver in kleinen Tüten portionierte. Diese Portionen waren genau passend für jeweils ein halbes Kilogramm Mehl abgemessen. Das bisher nur professionellen Bäckern bekannte Pulver verkaufte Dr. Oetker dann an Hausfrauen. Das Backpulver selbst hingegen wurde ursprünglich von Justus Liebig und seinem Schüler erfunden. Im Anschluss wurden weitere Produkte entwickelt, so zum Beispiel das Dr. Oetker Puddingpulver

1920 heiratete Richard Kaselowsky die Witwe de 1916 bei Verdun gefallenen Oetker-Erben Rudolf. Durch ihn wurde das Unternehmen des Gründers fortgesetzt und sowohl im Inland als auch im Ausland stetig ausgebaut

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden bei Beteiligungsfirmen der Oetker-Gruppe Zwangsarbeiter zu niedrigen Lohnkosten beschäftigt. Außerdem wurde am 30. April 1937 der Firma Dr. Oetker von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) die Auszeichnung Nationalsozialistischer Musterbetrieb verliehen. Weiterhin bekam das Unternehmen 1938 ein Leistungsabzeichen für die vorbildliche Förderung der Einrichtung Kraft durch Freude (KdF). Richard Kaselowsky führt die Geschäfte des Gründersohns Rudolf Oetker als Treuhänder und war am 1. Mai 1933 in die NSDAP eingetreten. Er unterstützte die Nationalsozialisten mit Geld, war Mitglied im Freundeskreis des Reichsführers SS, fungierte als Herausgeber der Tageszeitung Westfälische Neueste Nachrichten und war an der Arisierung des Bielefelder Verlagshauses Gundlach beteiligt. 1944 kam Richard Kaselowsky bei einem Bombenangriff ums Leben.

Nach 1945 engagierte sich der Enkel des Firmengründers, Rudolf-August Oetker neben dem Nahrungsmittelgeschäft auch in verschiedenen anderen Branchen. Die Diversifikation des Unternehmens war die von ihm verfolgte Geschäftsidee. Damit sollte ein notwendiger Risikoausgleich geschaffen werden. Durch diese Unternehmensstrategie entstand erst die Oetker-Gruppe, wie sie auch heute noch vorhanden ist. August Oetker d. J. steht heute für die Internationalisierung der Geschäfte der Oetker-Gruppe. Mit Ausnahme der Schifffahrt ist das Haupttätigkeitsfeld dabei Europa. Für die Strategie und Ausrichtung der Gruppe ist heute eine fünfköpfige Gruppenleitung verantwortlich. Deren Mitglieder August Oetker, Ernst F. Schröder, Albert Christmann, Ottmar Gast, und Hans-Henning Wiegmann sind zugleich für je einen der Geschäftsbereiche verantwortlich. Voraussichtlich zum 1. Januar 2010 soll August Oetker den Vorsitz im Beirat des Unternehmens übernehmen. Die Geschäftsführung wird er dann an seinen Bruder Richard übergeben.

Dr. Oetker unterteilt sich in sechs Geschäftsbereiche.

  • Nahrungsmittel
  • Bier und alkoholfreie Getränke
  • Sekt, Wein und Spirituosen
  • Schifffahrt
  • Finanzdienstleistungen
  • Weitere Interessen

Zum Geschäftsbereich Nahrungsmittel zählen sowohl die Marke Dr. Oetker an sich als auch mehrere im Großverbrauchergeschäft arbeitende Firmen, zum Beispiel der Dr. Oetker Food-Service, Etno und andere. 1995 wurde die Firma Opekta von Dr. Oetker übernommen und 2004 noch die Firma Onken. Der Jahresumsatz des Geschäftsbereichs Nahrungsmittel von Dr. Oetker beträgt insgesamt über 1,8 Mrd. Euro (2006). Umsatzstärkstes Produkt im Nahrungsmittelbereich ist heute allerdings nicht mehr das Dr. Oetker Backpulver sondern die Dr. Oetker Tiefkühlpizza.

Der Geschäftsbereich Bier und alkoholfreie Getränke wird durch die Radeberger Gruppe gesteuert. Unter diesem Dach werden bekannte Marken geführt wie Radeberger Pilsner, Urkrostitzer, Jever, Freiberger, Sternburg (Braustätte: Leipzig), Allgäuer Brauhaus (Braustätte: Marktoberdorf, Verwaltung: Kempten), Tucher Bräu, Brinkhoff's und weitere Dortmunder Biere, Wicküler, Schlösser, Binding, Gilden, Küppers, Kurfürsten, Sion, Sester, Berliner. Auch Schöfferhöfer Weizen und Bionade gehört zu. Auch Selters gehört zu Dr. Oetker, was aber nicht mit dem Selterswasser aus Niederselters zu verwechseln ist, dessen Name ein Synonym für Mineralwasser im Allgemeinen geworden ist. Der Umsatz dieses Geschäftsbereichs beträgt insgesamt rund 1,3 Mrd. Euro (2006). Zu Anfang des Jahres 2008 übernahm die Radeberger Gruppe auch noch den Getränkegroßhändler Essmann-Getränke aus Lingen.

Im Geschäftsbereich Sekt, Wein und Spirituosen von Dr. Oetker ist die Henkell & Co. Sektkellerei das führende Unternehmen. Hierzu gehören verschiedene Sektmarke dazu, wie zum Beispiel die Sektmarken Henkell Trocken, Deinhard und Fürst von Metternich. Außerdem gehört die Spirituosen-Marke Wodka Gorbatschow dazu. Dies sind nur einige der renommierten Marken. Der Umsatz dieses Geschäftsbereiches von Dr. Oetker beläuft sich auf 512 Mio. Euro.

Zum Geschäftsbereich Schifffahrt von Dr. Oetker, der größten Sparte der Oetker-Gruppe gehört hauptsächlich die traditionsreiche Reedereigruppe Hamburg Süd und auch die in Brasilien befindliche Reederei Alliança. Dieser Geschäftsbereich erzielt einen Umsatz von 3,2 Mrd. Euro (2006). Zu 80 Prozent wird der Umsatz in Containerdiensten im Nord-Süd- und Süd-Nord-Verkehr erzielt, zu 20 Prozent in der Trampschifffahrt.

Im Bereich Finanzdienstleistungen liegt das Geschäftsvolumen bei rund 2,7 Mrd. Euro. Hier ist hauptsächlich das Bankhaus Lampe tätig. Bis Ende 2008 gehörte auch die Versicherung Condor noch zu Dr. Oetker, wurde allerdings dann an die R+V Versicherung weiter verkauft.

Der Geschäftsbereich Weitere Interessen von Dr. Oetker umfasst solche Firmen wie zum Beispiel die Douglas Holding AG, die Chemische Fabrik Budenheim sowie die Oetker Hotel Collection. Zu den Hotels von Dr. Oetker gehörten einige Spitzenhotels wie z. B. das Brenner´s Park in Baden-Baden und das Le Bristol in Paris. Hier wird ein Gesamtumsatz von rund 385 Mio. Euro (2006) erzielt.

Einen hohen Stellenwert wird auch dem Umweltschutz im Unternehmen beigemessen. Dr. Oetker hat es sich um Ziel gesetzt, die hohen Umweltstandards, welche in Deutschland bisher erreicht wurden, grundsätzlich auch an allen ausländischen Standorten zu realisieren. Bereits im Jahr 1995 wurde August Oetker der Titel „Ökomanager des Jahres“ verliehen. Außerdem gibt das Unternehmen bereits seit 1994 in regelmäßigen Abständen einen Umweltbericht heraus und im Jahr 2004 folgte sogar eine Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Die Familie und das Unternehmen Dr. Oetker taten sich bereits mehrfach als Mäzen hervor. Die bereits im Jahr 1930 erbaute Rudolf-Oetker-Halle wurde von Dr. Oetker gestiftet. Außerdem finanzierten sie maßgeblich den Bau der 1968 eröffneten Bielefelder Kunsthalle. Ebenfalls auf die Familie von Dr. Oetker geht die in Bielefeld gelegene Oetker-Eisbahn zurück. Außerdem gibt es noch zwei Stiftungen, die gemeinnützigen Zwecken dienen sollen. Das ist zum einen die Rudolf-August Oetker Stiftung. Diese Stiftung unterstützt Projekte in Kultur, Kunst, Wissenschaft und Umwelt. Zum anderen gibt es die Ida und Richard Kaselowsky Stiftung, welche auf soziale und wohltätige Zwecke ausgerichtet ist.




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